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Die Frühjahrslorchel - ein gefährlicher Giftpilz

Hände weg von der Frühjahrslorchel!

Aus aktuellen Anlaß ist hier auf einen gefährlichen Giftpilz hinzuweisen. Diese Pilze erscheinen Ende März bis Mitte Mai sehr zahlreich in den Kiefernwäldern und Fichtenwäldern des Landkreises Harz. Sie werden sehr oft für Speisemorchel und Verpeln gehalten.

Der wissenschaftliche Name Gyromitra esculenta ist irreführend und gefährlich. In der Tat galt die Lorchel bis Mitte des 20. Jahrhunderts als ausgezeichneter Speisepilz und war selbt im Hauptrezept des "Leipziger Allerlei" enthalten.

Im Jahre 1967 erfolgte von Franke, Freimuth und List eine umfassende Untersuchung, und die Gefährlichkeit des Giftpilzes wurde umfassend bewiesen. Dennoch werden auch heute noch große Mengen des Pilzes verzehrt. Rohe Lorcheln und ungenügend gegahrte Pilzen gelten als tötlich giftig. Nach Trocknen der Pilze wird das Gift zwar größtenteils zerstört, gibt aber keine Gewähr, nicht zu erkranken. Besonders nacheinander folgende Gerichte sind höchst gefährlich.

 

 
Bemerkenswerte Pilzfunde im Jahr 2011

Bemerkenswerte Pilzfunde im Jahr 2011


Hier soll ein kurzer Überblick über bemerkenswerte Pilzfunde aus dem Jahr 2011 wiedergegeben werden. Alleine der Harzkreis ist äußerst artenreich. Sehr unterschiedliche Böden, Biotope und Waldtypen begünstigen dieses.

 


1. Östereichischer Prachtbecher  (Sarcoscypha austriaca)

Funddaten: 12.03.2011 Bodeauwald zwischen Weddersleben und Quedlinburg unter
Weide, Robinie und Erle (Mischwald)
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert
die Pilzart ist deutschlandweit sehr selten, einziger Nachweis im Harzkreis

 

 

 

2. Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens)

Funddaten: 07.05.2011 NSG Kramershai unter Fichte
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert
die Pilzart ist deutschlandweit sehr selten, einziger Nachweis im Harzkreis. Kennzeichnend für diese Art sind u.a. die runden und glatten Sporen.

 

 

3. Kupferbraune Schleimtrüffel  (Melanogaster tuberiformis)

Funddaten: 28.06.2011 Fuchsberg zwischen Sternhaus und Bremer Teichim Rotbuchenaltwald entlang der Harzbahn, 5cm unterirdisch gewachsenund mit einer Handharke freigekratzt
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert
sehr seltene Trüffelart, sehr wenig Nachweise in Deutschland
Diese Trüffel gehört zu den Bauchpilzen (Gasteromyceten)
Die Verbreitung der Sporen erfolg durch Wild, die den intensiven Geruch warnehmen, fressen
und die Sporen durch ihren Dung weiterverbreiten.

 

4. Taigatäubling  (Russula taigarum)

Funddaten: 16.07.2011 NSG Kramershai am Rande eines Quellmoores unter Fichte
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert  bestätigt durch Herrn Vauras (Finnland)
Erstnachweis für Mitteleuropa, bisherige Nachweise nur aus Skandinavien

Täublinge sind schwer bestimmbar und erfordern umfangreich mikroskopische Arbeit.
Auch bei dieser Art mußten Sporenpulverfarbe, Geschmack, chemische Reaktionen,
Sporengröße und Ornament sowie die Huthautbeschaffenheit untersucht werden.

 

 

5. Höckersporiger Rißpilz  (Inocybe grammata)

Funddaten: 30.07.2011 NSG Kramershai am Rande eines Quellmoores unter Fichte
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert 
sehr seltene Rißpilzart, bekannt hauptsächlich aus dem Alpengebiet,
ansonsten deutschlandweit sehr selten
Erstnachweis für Sachsen Anhalt

 

 

6. Bleigrauer Täubling  (Russula consobrina)

Funddaten: 07.08.2011 NSG Kramershai am Rande eines Quellmoores unter Fichte
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert 
erster gesicherter Nachweis für Sachsen Anhalt, deutschlandweit vom Aussterben bedroht

 

 

7. Böhmerwaldröhrling  (Boletus gabretae)

Funddaten: 28.08.2011 in einem Fichtenwald nahe Schierke
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert 
erster gesicherter Nachweis für Sachsen Anhalt, deutschlandweit extrem selten

Diese Pilzart wurde im Jahr 2008 von Herrn Mehner aus Schierke entdeckt und dem
Pilzberater Manfred Schult (Drübeck) gebracht. Freundlicherweise zeigte uns Herr Mehner
den Originalstandort. Die Pilzart fruchtizierte dieses Jahr erneut.
Der Pilzfund wurde 2011 in der Zeitschrift "der Tintling" von Schult/Schubert publiziert

 

 

 

8. Geschmückter Schleimkopf  (Cortinarius saginus)

Funddaten: 28.08.2011 NSG Kramershai am Rande eines Quellmoores unter Fichte
leg. / det.  und Foto: Hartmut Schubert 
sehr seltene Schleierlingsart, sehr wenig Fundangaben in Sachsen Anhalt, quasi
gibt es den Pilz nur an wenigen Orten im Oberharz

 

 

9. Wohlriechender Korkstacheling  (Hydnellum suaveolens)

Funddaten: 28.08.2011 nahe NSG Kramershai am Kolonnenweg
leg. 2008  H.J. Engelmann / det.  und Foto: Hartmut Schubert 
der Erstfund für unser Gebiet gelang Hans Jürgen Engelmann im September 2008, es ist nach
unserer Kenntnis der einzige momentane Nachweis für Ostdeutschland. Die Fundstelle ist
derzeit akut gefärdet wegen Forstarbeiten außerhalb des NSG. Der auffällige Stacheling zeichnet sich durch intensiven Geruch, Mix aus Anis Walmeister und Mädesüß aus.

 

 

10. Freudiger Pfriemborstling  (Spooneromyces laeticolor)

Funddaten: 03.09.2011 NSG Kramershai in einem Fichtenstreifen mitten im Quellmoor
leg. Felix Hampe / det. Hampe und Schubert  und Foto: Hartmut Schubert 
Dritter deutscher Fund, Erstfund für Sachsen Anhalt, europaweit sehr selten

Die Fundstelle ist derzeit wegen Forstarbeiten gefährdet.

 

 

11. Knoblauchsaftling  (Hygrocybe helobia)

Funddaten:10.09.2011 Tanne ehemaliges Sperrgebiet
leg. / det. und Foto: Hartmut Schubert

sehr seltene Saftlingsart, die sich u.a. durch würzigen Geruch, trockener Huthaut mit gleichfarbigen Schüppchen, kontrastreichen hellen Blättern und mikroskopischen Merkmalen in der Lamellentrama auszeichnet. Nur wenige Fundpunkte in Sachsen Anhalt.

 

 

12. Heidemilchling  (Lactarius musteus)

Funddaten:17.09.2011 Arendsee
leg. Hartmut und Barbara Grzyb / det. und Foto: Hartmut Schubert

Anläßlich der LVPS Tagung gelang dieser gute Fund, der als Erstnachweis für Sachsen Anhalt gilt.
Gefunden im trockenen Heidekiefernwald, mikroskopische und makroskopische Merkmale
wurden umfangreich studiert und mit Fachliteratur verglichen.
Eine Milchlingsart, die deutschlandweit vom Aussterben bedroht ist und allgemein als einer der seltensten Art der Gattung für Deutschland gilt.

 

 

13. Glimmerschüppling  (Phaeolepiota aurea)

Funddaten:22.10.2011 südlich Neuer Teich unter Brennessel
leg. H.J. Engelmann / det. Erika Zidek und Foto: Hartmut Schubert

Auch das ein außergewöhnlicher Fund. Der Pilz tauch manche Jahre in diesem Gebiet auf, wie aus unserer Datenbank ersichtlich ist. Eine sehr seltene und stattliche Art. Die Hüte können einen Durchmesser von fast 15cm erreichen.

 

 

14. Hornstieliger Grabenschnitzling  (Stagnicola perplexa)

Funddaten:23.10.2011 NSG Kramershai am Rande eines Quellmoores unter Fichte
leg. Hartmut Schubert / det. Peter Specht und Foto: Hartmut Schubert

Zweiter Nachweis für Sachsen Anhalt, europaweit sehr selten und vom Aussterben bedroht.

 

 

15. Stelzenstäubling  (Battarrea phalloides)

Funddaten: 02.11.2011 Langenstein Haushöhlen
leg. Joschi Siembida / det.Joschi Siembida und Foto: Hartmut Schubert

Der Standort ist schon lange bekannt. Die Pilze lagen auf Stroh, an den Felswänden konnten deutliche Spuren der Sporen entdeckt werden. Dieses deutet darauf hin, das Kinder die Pilze fanden und mit ihnen spielten. Sehr wenige Nachweise in Deutschland, Steppenpilz.

 

 

16. Lamprospora ecksteinii

Funddaten: 04.11.2011 NSG Teufelsmauer
leg. Hartmut Schubert/ det. Torsten Richter & Dr. Benkert und Foto: Hartmut Schubert

Der erst kürzlich von Dr. Benkert beschriebene Moosbecherling konnte im NSG Teufelsmauer nachgewiesen werden. Zweiter deuter Fund.

 

17. Kleinsporige Lindtneria  Lindtneria chordulata

Funddaten: 17.12.2011 NSG Zehling an Eschentholz
leg. Hartmut Schubert/ det. Katrin Richter und Foto: Hartmut Schubert

Mit diesen Fund gelang der Nachweis eines sehr seltenen Rindenpiltes. Er wuchs an der Unterseite von Eschenholz und zeichnet sich u.a. durch sehr kleine stachelige Sporen aus. Die Bestätigung der Bestimmung erfolgte durch Pilzfreundin Katrin Richter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Die Fachgruppe und ihre Zielstellungen
Die Fachgruppe Mykologie (Pilzkunde) wurde im Mai 1988 gegründet. Die Pilzwelt ist ein wichtiger Bestandteil der reichen Naturausstattung des Harzes und des Harzvorlandes. Die Fachgruppe hat sich daher das Ziel gesetzt, die Pilzflora dieses Bereiches –vorrangig für das Gebiet des Altlandkreises Quedlinburg- zu erfassen und zu erforschen. Ein weiteres Aufgabenfeld der Fachgruppe ist die Aufklärung der Bevölkerung über richtiges Sammeln und Verwerten von Pilzen, um z.B. möglichen Pilzvergiftungen vorzubeugen. Dazu tragen neben den ehrenamtlich arbeitenden Pilzberatern der Gruppe in hohem Maße auch die jährlich von der Fachgruppe organisierten Pilzausstellungen bei.

Helga Rußwurm, Gründerin der Fachgruppe Mykologie