Neues zur Waldtulpe

 

Ein weiteres Vorkommen der Waldtulpe (Tulipa sylvestris) in der Region Quedlinburg

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass es an der Straße von Harsleben nach Westerhausen    ein Vorkommen der Waldtulpe gibt. Es befindet sich dort, wo von Harsleben bzw. Quedlinburg kommend, rechts von der Straße  die Ackerflächen an die Waldfläche stoßen. In diesem Jahr zeigen sich hier viele blühende Exemplare (Abb. 1).

Im Bereich dieser Fläche wurden leider auch Holzhäckselmassen und sonstiger  Abfall entsorgt. Dies hat natürlich den Bestand  beeinträchtigt. Es droht auch ein Überwachsen des Bestandes  durch viele Jungbäume. Sicher im Zuge der letzten Straßenbaumaßnahmen gelangten auch einige Zwiebeln in den Bereich der unmittelbaren Straßenböschung. Hier kann sich ein neues Teilvorkommen etablieren. Die Waldtulpe zeichnet sich im Gegensatz zu anderen Wildtulpenarten dadurch aus, dass nicht blühfähige  Zwiebeln einen hohlen Trieb ausbilden, der nicht senkrecht nach unten wächst ( bis die neue Zwiebel für das nächste Jahr  eine für sie optimale Tiefe gefunden hat), sondern waagerecht von der Ausgangszwiebel fort. Am Ende des hohlen Triebes  wird die  Zwiebel für das Folgejahr angelegt. An der Basis  der alten Zwiebel kann außerdem eine Tochterzwiebel  gebildet werden. Im günstigsten Fall kann sich  die Anzahl der Zwiebeln eines  Bestande auf diese Art und Weise  jährlich verdoppeln. Der recht komplizierte vegetative Vermehrungsvorgang wurde von JÄGER 1973 ausführlich beschrieben: https://www.zobodat.at/pdf/Hercynia_10_0429-0448.pdf  

Der seitlich wachsende Trieb erreicht in der Regel eine Länge von 10 bis 25 cm. Um diesen Betrag kann sich ein  Bestand der Waldtulpe  jährlich seitlich ausdehnen. Selbst unter optimalen Bedingungen (Gartenland) wird dieser Betrag nur selten  erreicht (Abb. 2).

Eine Vermehrung über Samen ist möglich. In der freien  Natur wird sie eher nicht wirksam. T. sylvestris ist eine autotetraploide   Form. Hier ist mit geringen Keimquoten der Samen zu rechnen. Außerdem blüht in der Regel nur ein sehr geringer Anteil der vorhandenen Pflanzen.

Eine  Kontrolle  des oben beschriebenen  Standortes  ergab eine Überraschung, Er setzt sich auch auf der linken Strassenseite in einem Jungwaldbereich fort (Abb. 3). Es ergibt sich die Frage nach der Herkunft des Bestandes. Konnte zunächst vermutet werden, dass er  auf Gartenabfälle zurückzuführen ist, muß jetzt eher angenommen werden, dass ursprünglich  ein geschlossenes Vorkommen bestand , was beim Erstbau der Straße   von Westerhausen nach Harsleben durchtrennt wurde. Offen bleibt, wann und  wie der vermutete primäre Bestand  entstanden ist.

Die Echte Schlüsselblume

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) erobert den Quedlinburger Ochsenkopf zurück

Der  sogenannte Ochsenkopf ist ein Hügel am Bicklingsbach. Er ist die erste Erhebung des östlich von Quedlinburg gelegenen Höhenzuges der Seweckenberge. Der Ochsenkopf wurde erst nach 1945 teilweise aufgeforstet. Dadurch gingen viele Standorte  seltener Pflanzenarten verloren, z. B. auch Vorkommen des Adonisröschens. Die nach Norden geneigte Fläche wurde sicher schon immer als Ackerland  bzw. immer als  Wiese genutzt. Der Wiesenteil ist durch eine am Ackerland  endende  Geländestufe  gegliedert. Ganz am Ende  dieser Geländestufe überlebte ein sehr kleinflächiges Vorkommend   der Echten Schlüsselblume die  Veränderungen der  Pflanzenwelt des Ochsenkopfes.

Über Jahrzehnte hinweg kamen hier immer nur einige Exemplare der Echten Schlüsselblume zur Blüte. In den letzten Jahren hat sich dies in einer sehr kurzen Zeitspanne   erheblich verändert. Heute  sind in der viele Hektar großen Rasenfläche oberhalb und unterhalb der Geländestufe zahlreiche Primel zu finden.

Was mag diese schnelle Ausbreitung bei unveränderter Landnutzung ausgelöst haben? Die  Entfernung zwischen den Einzelpflanzen ist in den Randbereichen des Gesamtareals dabei  teilweise noch beträchtlich, sie kann mehrere 10 m betragen. Es ergibt sich die Frage, wie die Samen, die über keinen Flugapparat verfügen, diese Entfernung überbrücken.  Es lohnt sich, diese Ausbreitung einer sehr attraktiven einheimischen Pflanzenart  zu beobachten. In unserer  Region  bevorzugt diese Primelart Halbtrockenrasen. Erleben wir hier eine nicht erwartete  Auswirkung der Klimaveränderungen ? Sind Ausgangspflanzen vorhanden, ist diese Ausbreitung der Echten Schlüsselblume übrigens auch auf Gartenflächen zu beobachten.

Auf der Kuppe des Ochsenkopfes wuchs seit den 70ger Jahren  auf blankem Sand eine Kiefer. Jetzt hat die Trockenheit der letzten Jahre das Leben auch dieser Kiefer beendet.  Nun hat ein Sturm den Baum umgeblasen.

In der Nähe ist im gleichen Zeitraum ein Walnussbaum langsam in die Breite gewachsen.

Nie wuchsen spontan im Umfeld junge  Nussbäume. Das ist jetzt der Fall.Im Schutz der abgestorbenen Kiefer kommen die ersten jungen Nussbaumsämlinge zu ihrer Entwicklung. Hier kann vor  Ort der beginnende Florenwechsel erlebt werden.

Der Lerchensporn blüht

Der Lerchensporn – ein prächtiger Frühjahrsblüher

Ende März- Anfang April  fällt in vielen Parkanlagen, kleinen Wäldchen, bewaldeten Bach- und Flussufern  sowie  Hecken  der Lerchensporn mit seinen zahlreichen , etwa 20-30  cm hohen weißen oder  trübpurpurnen Blütenständen auf. Bevorzugt werden dabei lehmige Böden und feuchte Standorte. In den letzten Jahren ist dabei eine erhebliche Vergrößerung  der Bestände zu  beobachten. Immer häufiger wandert der Lerchensporn auch in Obstwiesen und Gärten ein. Die einzelne Pflanze bildet reichlich Samen aus, die von Ameisen weit verbreitet werden. Offensichtlich profitiert der Lerchensporn dabei von den milderen Wintern der  letzten Jahrzehnte. Botanisch handelt es sich um den Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava).

Er verfügt über eine hohle Knolle,  die im Boden verborgen ist und einen Durchmesser von ca. 3-4 cm erreicht. Der Hohle Lerchensporn ist ein mitteleuropäisches Florenelement. Sein Verbreitungsgebiet deckt sich mit dem Areal der Buchen, er meidet aber den atlantischen Küstenbereich. Die Lerchensporne sind eine sehr artenreiche Gattung der  Familie der Mohngewächse. In Sachsen - Anhalt sind noch 3 weitere  Lerchenspornarten zu finden. Dazu gehört der deutlich kleinere (Höhe 10- 15 cm) mittlere Lerchensporn (C. intermedia)  mit oft nur 2 trübpurpurfarbenen Blüten. Diese mitteleuopäische Art ist viel weniger häufig anzutreffen als der Hohle Lerchensporn. Im Westen Deutschlands kommt sie nur gelegentlich vor. Auf der Südseite der Quedlinburger Altenburg ist ein großer Bestand dieses Lerchensporns zu finden. Eine weitere Art ist der Zwerglerchensporn (C. pumila) , der etwas größer als der  mittlere Lerchensporn ist  und dessen 4- 6 Blüten dicht gedrängt zusammen stehen. Diese Art kommt abgesehen von Vorkommen an der Oder nur im mittleren Sachsen-Anhalt vor. Er fehlt der Vorharzregion, ist aber als östliche  Art im Raum Freckleben vorhanden.

       

Mittlerer Lerchensporn (Bild: N. Rußwurm)                           Zwerglerchensporn (Bild: N. Rußwurm)

Schließlich gibt es bei uns noch den Gefingerten Lerchensporn (C. solida), der in Sachsen-Anhalt nicht einheimisch ist, aber vermutlich vor langer Zeit angepflanzte  stabile Vorkommen aufweist. Die Art ist im Westen Deutschlands einheimisch, kommt aber vor allem in Südeuropa vor. Aus den Karpaten stammen sehr farbkräftige ( vor allem rote Töne) und blütenreiche Formen, die 15- 20 cm hoch werden, und  als Sorten zunehmenden Eingang in die Frühjahrsgärten finden. Hier kann   durch Versamung eine schnelle Ausbreitung erfolgen. Es ist damit zu rechnen, dass diese südeuropäischen Formen in den nächsten Jahren  als Adventivart  bei uns auftreten werden.

       

Gefingerter Lerchensporn                                                     Gartenformen des gefingerten Lerchensporns

Die genannten Lerchenspornarten können durch die Art der Blütentragblätter  leicht unterschieden  werden:

       

Gefingerte Blütentragblätter: C. solida und  C.pumila          Ganzrandige Blütentragblätter: C. cava und C. intermedia.

C. intermedia weist im Unterschied zu den anderen Arten  am Stängel ein großes Niederblatt auf.

Märzenbecherstandort vernichtet

Verstoß gegen Naturschutzgesetz

Viele Naturfreunde kennen den großen Märzenbecherbestand unweit des sogenannten Schirms  im  Bereich der Kuckhornwiese – ganz in der Nähe zum Naturschutzgebiet Burgesroth-Bruchholz und zum Naturschutzgebiet  Oberes Selketal (und Nebentäler). Bei diesem Vorkommen handelt es sich um ein isoliertes Einzelvorkommen in einem Erlenbruch. Dieser Erlenbruchwald  ist nach  § 30 BNatSchG und § 22 NatSchG LSA gesetzlich geschützt. Am Rande dieses Erlenbruches führt vom Schirm kommend  in Richtung  Ballenstedt der Eierkuchenweg vorbei. Der Märzenbecher selber ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Er darf weder gepflückt noch ausgegraben werden. Dementsprechend dürfen Märzenbecherstandorte auch nicht vernichtet werden.

Die folgende Abbildung zeigt diesen Märzenbecherbestand  im Jahr März 2019.  Zu diesem Zeitpunkt waren viele Fichten in Randbereichen des Erlenbruchs  von Windbruch  betroffen. Der Erlenbruch selber ist intakt.

Jetzt im März 2022  zeigt sich das nachstehende  Bild. Der Erlenbruchwald ist weitgehend  zerstört. Der Märzenbecherstandort wurde  vernichtet.

Wie konnte dies geschehen ?  Die Forstfläche gehört einem privaten Waldbesitzer. Mit schwerer Technik (Schiebeschild) wurde   in einem breiten Streifen der gesamte Bruchwaldbestand  beseitigt und die Holz- und Erdmassen zu hohen Wällen aufgetürmt. Dafür hat keine Notwendigkeit bestanden, denn im Bruchwaldbereich stockten keine Fichten. Diese Vernichtungsarbeit wurde offensichtlich nach dem  April 2021  durchgeführt. In einem Randbereich haben nur wenige Märzenbecherpflanzen überlebt.

        

Auf dem feuchten Sumpfboden liegen noch vereinzelte freigeschobene Zwiebeln. Der Wasserhaushalt des Bruch-waldes ist  vermutlich irreversibel  gestört.

Zwiebeln_P1450118.jpg

 

 

 

Es ergibt sich die Frage, weshalb dieses Vernichtungswerk geschehen ist.

Alle Naturfreunde sollten sich das Zerstörungswerk ansehen und mit dazu beitragen, dass  Derartiges zukünftig nicht mehr geschehen kann.

 

  

 

 

 

Kamelhalsfliegen

Kamelhalsfliegen und ihre Verwandtschaft

Zum Insekt des Jahres2022 wurde die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis) ausgewählt.

Die Kamelhalsfliegen, wissenschaftlich Raphidioptera genannt, sind geflügelte Insekten, aber keine Fliegen (Diptera)! Im Vergleich zu anderen Insektenordnungen sind sie eine recht kleine und wenig bekannte Insektengruppe und in Deutschland mit lediglich 10 Arten vertreten.

 Auf Grund ihrer auffälligen Flügeläderung zählt man sie zur Gruppe der Netzflüglerartigen. Zu dieser Gruppe gehören weiterhin die eigentlichen Netzflügler (Neuroptera), wie z. B. Florfliegen oder Schmetterlingshafte. Weiterhin sind die sogenannten Großflügler (Megaloptera), wie z. B. die  Schlamm- oder Wasserflorfliegen  zugehörig.

      

Schmetterlingshafte                                                   Schlammfliege

                  

Florfliege                                                                               Kamelhalsfliege , eine Laus fressend.

Die meisten Arten der Kamelhalsfliegen sind weniger als 2 cm lang. Bei näherer Betrachtung fällt das stark verlängerte vordere Brustsegment und der lange, flache Kopf auf. Beide sind sehr beweglich und werden oft über der Körperebene gehalten, womit sich die Namensgebung dieser Tiere erklärt. Die Komplexaugen sind halbkugelig und liegen vorn am Kopf. Ihre 4 durchsichtigen Flügel sind dunkel  geädert. In der Ruhestellung werden sie dachartig über dem meist dunkel gefärbtem Körper getragen. An den Weibchen fällt die fast körperlange, biegsame Legeröhre am Hinterleibsende auf. Wie aus Fossilfunden und Bernsteineinschlüssen bekannt, lebten Kamelhalsfliegen mit ihrer charakteristischen Form schon zur Zeit der Saurier und haben sich seitdem nur wenig verändert.

Die Kamelhalsfliegen sind tagaktiv und fliegen im späten Frühjahr, etwa Mai bis Juni. Ihr Lebensraum ist das Blattwerk von Büschen und Bäumen bis zum Kronenbereich. Sie ernähren sich räuberisch,  vorwiegen von Blattläusen. Auch ihre langgestreckten Larven jagen, meist an der Baumrinde, Blattläuse und andere kleine Insekten und ihre Stadien. Durch deren Vertilgen wie z. B. von Larven und Käfern des Borkenkäfers oder Eiern forstschädlicher Schmetterlinge, sind es für den Forstschutz sehr nützliche Insekten.

Die Larvenentwicklung dauert meist 2 bis 3 Jahre mit zwischen 9 und 15 Häutungen, bevor sie sich in Rindenspalten verpuppen und im Frühjahr schlüpfen.

Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Wochen, in denen sie sich paaren und ihre Eier ablegen müssen.

Abb.: Dr. E. Schliephake

Mitgliederversammlungen 2022

Die Mitgliederversammlungen im 1. Halbjahr 2022

Die Mitgliederversammlungen der IG Ornithologie und Naturschutz finden seit Januar 2022 so wie schon seit vielen Jahren jeweils am 2. Mittwoch des Monats im Einsteinraum der Kreis-Volkshochschule in Quedlinburg statt. Sie beginnen jeweils 19 Uhr.

Bedingt durch die noch nicht überwundene Corona-Epidemie gelten für uns die jeweiligen Schutzmaßnahmen (G-Regelungen). Dazu gehört auch die Abstandsreglung. Dies bedeutet, dass nur maximal 20 Personen an den Mitgliederversammlungen teilnehmen können. Dies hat zur Folge, dass wir zur Zeit keine öffentlichen Mitgliederversammlungen durchführen können.  Wir bedauern dies  sehr – zumal laut unserem Arbeitsplan im Rahmen der Mitgliederversammlungen viele interessante Vorträge stattfinden. Nur in dem Maße, wie die Zahl von 20 Teilnehmern nicht überschritten wird, heißen wir natürlich gern interessierte Bürger willkommen. Wir hoffen natürlich sehr, dass diese jetzt geltende Einschränkung bald aufgehoben werden kann.

 

Nachstehend  unser Vortragsprogramm für das 1. Halbjahr 2022.

 

12. Januar

Titel des Vortrages: Aktuelle Ergebnisse zum Milanschutz

Referent : Martin Kolbe

In den letzten Jahren haben die Konflikte zwischen diesem charismatischen Greifvogel und dem Menschen, besonders beim Ausbau der erneuerbaren Energien, zugenommen. Gleichzeitig gibt es groß angelegte Forschungs- und Schutzprogramme, die sich für den Schutz dieser besonderen Vogelart einsetzten. Martin Kolbe vom Rotmilanzentrum in Halberstadt gibt in seinem Vortrag einen aktuellen Überblick auf die laufende Forschung zum Rotmilan in Sachsen-Anhalt und über die Landesgrenzen hinaus. Ebenso wir auch ein Einblick vermittelt, wie der Rotmilan trotz aller Schwierigkeiten geschützt und erhalten werden kann. 

 

9. Februar

Titel des Vortrages: Südafrika:  Vom Kap der Guten Hoffnung bis zu den Viktoriafällen

 

Referent: Dr. Edgar Schliephake

Mit seinem Vortrag  möchte Dr. Edgar Schliephake (Gernrode)   einen Eindruck von der landschaftlichen Vielfalt und des tierischen Reichtums Südafrikas vermitteln. Die Reise beginnt am Kap der Guten Hoffnung mit seiner einzigartigen Fynbos Flora und den Südafrikanischen Pinguinen. Durch das Weinbaugebiet Stellenbosch und die Cederberge führt die Reise ins Namaqualand, vorbei am großen Fish-River-Canyon zu den roten Sanddünen Namibias. Im Etosha-Nationalpark zeigen sich Elefanten, Löwen, Giraffen und viele Antilopen. Auf dem Okawango sind nicht nur Krokodile und Flußpferde, sondern auch verschiedene Vögel am Ufer zu erleben. Durch den Caprivi-Streifen im Norden Namibias geht es weiter über Botswana und den Chobe-Fluß zum Chobe Nationalpark mit seinem Reichtum an Tieren. Die Reise endet an den rauschenden Viktoriafällen in Simbabwe.

 

9. März

Titel des Vortrages: Der Steinkauz im Nördlichen Harzvorland und interessante Einblicke in sein  Familienleben

Referenten: Annette Westermann, Eckhard Kartheuser

Seite dem Jahr 2000 wird das Nördliche Harzvorland wieder vom Steinkauz besiedelt. Annette Westermann und Eckhard Kartheuser gewähren interessante Einblicke  in das Leben dieser vom Aussterben bedrohten Kauzart.

 

13. April

Titel des Vortrages: Der Pflanzenreichtum  im Nationalpark Harz

Referent: Dr. Hans-Ulrich Kison

Für den Nationalpark Harz ist eine aktuelle Flora erarbeitet worden. Für die 25 000 ha  Nationalparkfläche wurden rund  1.200 Arten von Farn- und Blütenpflanzen festgestellt. Das entspricht etwa einem Drittel der in Deutschland insgesamt vorkommenden Arten. Mit Bezug auf diese Flora werden von Dr. Hans-Ulrich Kison (Quedlinburg)  charakteristische Arten für den Oberharz in Wort und Bild vorgestellt.   Der Vortrag zeigt nicht nur den Pflanzenreichtum eines der größten Waldnationalparke Deutschlands, sondern er setzt sich auch damit auseinander, wie diese Pflanzenarten zu bewerten sind, wie es mit der Natürlichkeit der Lebensräume bestellt ist und welchen Veränderungen zu erwarten sind.

11. Mai

Titel des Vortrages: Nationalparks in Kroatien

Referenten: Dr. Veronika u. Eckhard Kartheuser

Die beiden kroatischen Nationalparks Plitvicer Seen und  Krka sind durch ihre   reiche Naturausstattung und  die zahlreichen Karstphänomene charakterisiert. Sie waren 2019  Reiseziel  von Familie Kartheuser (Quedlinburg), die im  Vortrag ihre Beobachtungen und Erlebnisse vorstellt. Hauptattraktion  der Plitvicer Seen sind die 16 kaskadenförmig zugeordnete kristallklare Einzelseen. Der Nationalpark Krka umfasst den Mittellauf des gleichnamigen Flusses im Hinterland der Küste in der Nähe von Split.

8.  Juni

Titel des Vortrages: Luchse im Harz  - Vom Wald in die Agrarlandschaft

Referent: Ole Anders 

Im Jahr 2000 startete die Wiederansiedlung des Luchses im Harz. Inzwischen hat sich eine vitale Population der großen Katzenart im nördlichsten deutschen Mittelgebirge entwickelt. Langsam aber stetig breitet sich der Luchs über die Grenzen des Harzes hinaus in die Agrarlandschaft aus. Alle westeuropäischen Luchsvorkommen sind jedoch sehr klein und manche leiden bereits unter einer teils dramatisch geringen genetischen Diversität. Inzuchterscheinungen drohen. Die Vernetzung der Vorkommen ist dringend erforderlich. Vor welchen Herausforderungen aber auch Chancen steht der Schutz des Luchses im Harz, in Deutschland und in Europa? Der Vortrag gibt einen Überblick.     

Notwendige Änderungen behalten wir uns vor.

Frühjahrsblüher im Brühl

Gelbe Tupfer im Quedlinburger Stadtpark Brühl

Vor einiger Zeit wurden an geeigneten Stellen im Parkteil des Brühl Winterlinge (Eranthis hyemalis) angepflanzt.

Ausgehend von diesen Startpflanzungen sind an einigen Standorten schon stattliche Kolonien dieser prächtigen Frühjahrspflanze entstanden.

Es ist vorstellbar, dass es in der nächsten Zukunft zu einer weiteren Ausbreitung des Winterlings kommt. Dadurch kann der Brühl weiter an Attraktivität   für seine Besucher gewinnen.  Durch Aussaaten an vielen Stellen kann dieser Prozeß begünstigt werden. Die ursprüngliche Heimat des Winterlings reicht von Südostfrankreich sowie  IItalien  und Ungarn  bis nach Bulgarien. Schon um 1600 gelangte der Winterling in deutsche Gärten, ohne  oder nur im Ausnahmefall den Weg in heimische Laubwälder zu finden. Durch Gartenabfälle verursacht ist eine solche Einwanderung heute  häufig zu beobachten. Der Winterling verbreitet sich durch Samen, die  auch bei ungünstiger Frühjahrswitterung sehr reichlich  ausgebildet werden. Heftiger Regen während der Samenreife begünstigt die flächige Verbreitung. Die milder gewordenen Winter erleichtern  das Überleben der  Keimlinge, die in der Vergangenheit  bei Februar-Barfrost oft erfroren sind. Auch in vielen Kleingärten ist in den letzten Jahren gegenüber früher eine starke Vermehrung der Winterlinge zu verzeichnen. Im ersten Vegetationsjahr bildet der Winterling nur zwei sehr kleine Keimblätter aus, im Folgejahr nur ein kleines  erstes Laubblatt.  Erst im 4. Jahr nach der Keimung ist mit der ersten Blüte zu rechnen. Dann kann der Winterling im Garten sogar zum Unkraut werden. Gibt es im Brühl auch andere Neuankömmlinge ? Ja ! Im Brühlpark wurden vor längerer Zeit an 2  Stellen  auch Märzenbecher ausgepflanzt.  Dieser breitet sich sehr viel langsamer als der Winterling aus und dies auch nur an zusagenden Standorten. Schlimm ist es, wenn von den wenigen Pflanzen  auch noch einige ausgegraben  und dabei durch Unkenntnis  die Pflanzen zerstört werden. Angepflanzt wurde im Brühl auch der Dalmatinische  Elfenkrokus (Crocus tommasinianus). Für diesen ist noch keine intensive Ausbreitung zu verzeichnen. Diese kann aber für die Zukunft erwartet werden, wenn eine Rasenpflege analog zu der auf der Bossewiese erfolgt. Natürlich ist  im Ergebnis von Anpflanzung auch das Schneeglöckchen im Brühl zu finden. Auch bei diesem ist noch keine intensive Ausbreitung in  Gang gekommen.

        

Märzenbecher im Brühl                                      Durch Ausgraben zerstörte Märzenbecherpflanze

Der Dalmatische Elfenkrokus

 

Märzenbecherblüte

Die Märzenbecherblüte im Naturschutzgbiet Zehling – ein wunderbares  Naturerlebnis, dem mit mehr Respekt  begegnet werden muss.

Der Märzenbecher ist eine in der Harzregion relativ häufige früh blühende einheimische Blumenzwiebelpflanze ( Amaryllisgewächs), die aber mit Blick auf Deutschland einen deutlich südlicheren  Verbreitungsschwerpunkt aufweist und eine nördliche Verbreitungsgrenze etwa auf der Linie Hannover- Cottbus erreicht. Bei uns sind die Vorkommen meist an die Bachtäler am Harzrand gebunden. Nur  wenn die Standortverhältnisse zusagen,  werden größere Bestände gebildet. Ein solches Massenvorkommen befindet sich im Naturschutzgebiet Zehling bei Ballenstedt, in einem Privatwald. Das Erleben der vielen Tausend leuchtend weißen Blütenglocken im noch kahlen Laubmischwald vermittelt eine wunderbare, befreiende  Einstimmung in den beginnenden Frühling. Das Blühwunder beginnt in der Regel Ende Februar. Der anfänglich kleine Bestand hat sich insbesondere in der Obhut Ballenstedter Naturschützer zu seiner heutigen Größe entwickelt. Heute weiß man, dass für die Samenverbreitung kaum Insekten sorgen, sondern Tiere, die die für uns giftigen Samenkapseln fressen und die Samen wieder ausscheiden. Auch ein Transport der Samenkapseln durch fließendes Wasser trägt zur Verbreitung der Art bei.  Es ist gut, dass sich immer mehr Menschen  auch aus den Nachbarkreisen das Naturschauspiel der Märzenbecherblüte nicht entgehen lassen. Leider ist es aber so, dass  der durch das Areal führende Fußpfad ohne Rücksicht auf die Blütenpracht  immer breiter ausgetreten wird. Die zertretenen Pflanzen können  ihr Leid nicht laut klagen. Verlorene Arealflächen erneuern  sich nicht. Jeder Besucher des  Märzenbecherbestandes im Zehling sollte sich vornehmen, den notwendigen Respekt vor der Natur und  das rechte Umweltschutzverständnis zu beweisen und auch unachtsame Besucher darauf hinweisen, dass in einem Naturschutzgebiet striktes Wegebot gilt.

        

Solche Trittspuren im Märzenbecherbestand dürfen nicht entstehen!

Frühlingserwachen

Für die Blauschwarze Holzbiene ( Xylocopa violacea ) hat der Frühling begonnen !

In den letzten warmen Jahren hat die aus dem Mittelmeerraum stammende größte Wildbienenart in  Deutschland weite  Verbreitung gefunden. Dies gilt auch für unsere Region.  Dabei wurden erste Funde erst 2005 für Niedersachsen und Sachsen gemeldet. Bedingt durch ihre Größe und  die dunkle Färbung wird diese Insektenart kaum  übersehen. In Mitteleuropa fliegt die Art ab August und nach der Überwinterung von März bis Juli. Sie besiedelt sonnige Lebensräume mit ausreichend mürbem Totholz als Nistmöglichkeit. Artenreichen Gärten – auch im städtischen Bereich - kommt dabei als geeigneter Lebensraum eine große Bedeutung zu. Vor allem im zeitigen Frühjahr steht hier  eine Reihe von früh blühenden Zierpflanzen mit reichem Pollenangebot zur Verfügung.

Die Abbildung zeigt eine  Blauschwarze  Holzbiene  bei der Pollensuche  auf Blüten der Winter-Heckenkirsche (Lonicera x purpusii). Dieses wunderbar duftende Ziergehölz stamm ursprünglich aus China. Es ist bei uns vollkommen winterfest und blüht ab Dezember bis April. Es ist ein idealer früher Pollenspender für Bienen und Hummeln und sollte deswegen in keinem Garten fehlen. Die Aufnahme wurde am  22.2. 2022 gemacht.

Der Wald lebt

Der Wald lebt !

Die Mitteldeutsche Zeitung titelt  auf einer ersten Seite: „Der Wald stirbt auf Raten“  ! Hinzugefügt wird: „Dürre und Schädlinge zwingen den Wald in die Knie“. Natürlich sollten wir dies in erster Linie als eine journalistische Übertreibung  verstehen ! Der Wald lebt – aber er  verändert sich.

Natürlich reagiert er auf Veränderungen bezüglich seiner Wachstumsbedingungen.

Ohne Zweifel – unendlich große Fichtenflächen sind  abgestorben. Dazu muß aber auch gesagt werden, dass Forstfachleuten wohl immer bewußt war, dass  die Fichte nicht in die Wälder des Unterharzes gehört, weil für ihre optimale Entwicklung höhere Niederschlagsmengen erforderlich sind. Der Fichtenanbau war  deswegen immer Risikoanbau – auch wenn dies mehr als  100 Jahre lang gut ging . Die Vorteile der Fichte – ausgezeichnetes Bauholz  bei relativ  kurzer Wuchszeit und gute Anwachsergebnisse  bei Aufpflanzung sowie   gute  natürliche Reproduktion – machten das Risiko des Totalausfalls wett. Zu sagen ist außerdem, dass angesichts der Monokultur  der Fichte immer die Gefahr von massivem Borkenkäferbefall bestand. Deswegen wurde bei einem punktuellen Befall sofort mit Fällung und Entfernung des Schadholzes reagiert. Keine Mühe wurde gescheut, um die punktuellen Befallsherde aufzuspüren. Erst mit der drastischen Reduzierung der Anzahl Waldarbeiter wurde dies nicht mehr möglich. In den letzten Trockenjahren mußte es deswegen zur Massenvermehrung  des Borkenkäfers kommen. Der Niedergang der Fichtenwälder ist weniger eine Folge  der stattfindenden Klimaveränderung, sondern er ist in erster Linie wohl eine Folge von unbewußten Bewirtschaftungsfehlern.

Zur Biologie vieler Baumarten gehört, dass das Wurzelsystem alter Bäume nicht einem absinkenden Grundwasserspiegel nachwachsen kann. Sinkt  dieser über längere Zeit ab,  reagieren Altbäume  mit dem partiellen oder vollständigen Absterben. Diese leidvolle Erfahrung hat man insbesondere beim Aufschluss neuer Braunkohlentagebaue  machen müssen. Dies hat aber auch zum massiven Absterben der Altbuchen im Quedlinburger Brühl geführt, obwohl der Grundwasserpegel in den letzten Trockenjahren vermutlich nur um ca. 50 cm abgesunken ist. So ist wohl auch das Absterben vieler alter Buchen in den Forsten des Unterharzes zu erklären.

Dieses Absterben wird gleichzeitig von einem üppigen Wachstum z. B. junger Buchenbestände  begleitet. Hier macht sich offensichtlich der erhöhte CO2-Gehalt in der Luft positiv bemerkbar. CO2 ist für Pflanzen unverzichtbar, um organische Masse zu bilden. Der  natürliche CO2- Gehalt der Luft reicht bei vielen  Pflanzenarten nicht aus für ein biologisch mögliches optimale Wachstum. Deswegen kann der  aktuell erhöhte CO2-Gehalt der Luft ein intensiveres Wachstum  z. B. von Gehölzarten bewirken – vorausgesetzt, das kein Wassermangel und keine zu hohen Temperaturen vorliegen. Dazu wird gegenwärtig viel Forschungsarbeit geleistet.

Es lohnt sich sehr – ja es ist eine spannende Aufgabe, aufmerksam das Wachstum unserer wichtigen  Baumarten zu beobachten bzw. die Entwicklung von Waldarealen unter den sich verändernden Standortbedingungen.  In Mischwaldbeständen kommt es zu  natürlichen Verschiebungen im Artenverhältnis. Diese Prozesse laufen sehr langsam ab – sie lassen sich deshalb innerhalb eines Menschenalters    kaum beobachten. Ganz anders ist dies  bei den aktuellen Kahlflächen. Hier bringt der Mensch neue Baumarten ein, für deren Verhalten in einer sich  selbst reproduzierenden Waldgesellschaft kaum  Erfahrungen vorliegen oder es erfolgt die Wieder-Aufforstung mit  den klassischen  Waldbaumarten, die aber mit veränderten Standortbedingungen zurecht kommen müssen. Alle Prozesse  - Abholzung, Erstverunkrautung, Auswahl  der Baumarten für die Neupflanzung, Pflanzung mit geringer oder intensiver  forstlicher Pflege, spontane  Arteinwanderung z. B. von benachbarten Altbeständen , Entwicklung der Jungbäume  - laufen in einer  sehr kurzen Zeitspanne ab. Sie sind deswegen sehr gut zu beobachten und zu dokumentieren.

Vorbereitung der Rodungsfläche für die Wiederaufforstung

 

Nicht immer gelingt die Neuanpflanzung !                         Sehr gute Entwicklung einer Douglasien-Neupflanzung.

 

Hier wurden zwischen die Douglasien-Reihen Eichen gepflanzt.   Ein weiteres Beispiel für eine 3jährige Neupflanzung.

  

Eine Fichtenkahlschlagfäche hat sich in  ein  Meer von Wald -Kreuzkraut  (Senecio  sylvaticus) verwandelt.

Der Aufwuchs von Himbeeren, Holunder und anderen Gehölzen ist mannhoch. Die Pflanzreihen sind kaum zu erkennen. Ein ferngesteuerter Buschhacker hilft bei der Pflege.

 

Ich möchte allen  am Wald interessierten  Naturfreunden vorschlagen, sich einen geeigneten Waldbereich ( Kahlfläche)  auszuwählen und  für diese Fläche den Prozess der Wiederbewaldung über möglichst viele Jahre in Jahresschritten zu beobachten und in geeigneter Form zu dokumentieren. Dies kann eine spannende Aufgabe für die ganze Familie sein, wenn die  Beobachtungen bis zur Hiebreife des neu entstehenden Waldes fortgeführt werden. Ich garantiere tolle Beobachtungsergebnisse beim Erleben des sich verändernden Waldes.

Mitgliederversammlung November 2021

Mitgliederversammlung im November  2021

 Bedingt durch die Corona-Pandemie konnten viele  für das  Jahr 2020 bzw. 2021 geplanten Vortragsveranstaltungen nicht stattfinden.  Jetzt können diese   Veranstaltungen – wenn auch bei noch immer beschränkter Teilnehmerzahl – in unseren nichtöffentlichen Mitgliederversammlungen nachgeholt werden. Wir freuen uns auf den Vortrag von Hartmut Klein „Der Kaukasus und seine botanischen Schätze“, der im Rahmen der November- Mitgliederversammlung gehalten  wird. H. Klein hat die grusinische Region Swanetien bereist. In seinem Vortrag  stellt  er die   Pflanzenwelt dieser Region und die  Begegnungen mit den Bewohnern und ihren traditionellen ländlichen Lebens- und Wirtschaftsformen vor. Dies gilt auch für das  armenische Hochland, welches  durch den Referenten ebenfalls bereist wurde.

Termin:  10.  11. 2021  , 19 Uhr im Einsteinraum Bildungshaus Quedlinburg der Kreisvolkshochschule

Mitgliederversammlung im Oktober 2021

Mitgliederversammlung im Oktober 2021

 Bedingt durch die Corona-Pandemie konnten viele  für das  Jahr 2020 bzw. 2021 geplanten Vortragsveranstaltungen nicht stattfinden.  Jetzt können diese   Veranstaltungen – wenn auch bei noch immer beschränkter Teilnehmerzahl – nachgeholt werden. Wir freuen uns auf den Vortrag von Bernd-Otto Bennedsen  „Schmetterlinge im Harzkreis - Plus-Minus", der im Rahmen der Oktober- Mitgliederversammlung gehalten  wird. Bernd-Otto Bennedsen ( Quedlinburg ) geht im gut bebilderten Vortrag auf markante Bestandsentwicklungen bei Tag- und Nachtfaltern in der Nordharzregion ein.

Im Blickpunkt steht die Populationsdynamik ausgewählter verbreiteter Schmetterlinge und von regionalen Besonderheiten. Erwähnt werden zudem verschollene Arten und Neubürger.

Genutzt werden dazu historische und eigene Daten aus 50 Schmetterlingsjahren sowie Erfahrungen von Fachkollegen und Landschaftspflegern im Harzkreis.

Termin:  13. 10. 2021  , 19 Uhr im Einsteinraum Bildungshaus Quedlinburg der Kreisvolkshochschule

Die Graue Skabiose

Ein blauer Edelstein

Zu den Pflanzenarten, die im nördlichen Harzvorland die Blütenfülle der Trockenrasengesellschaften Im Spätsommer bestimmen, gehört die blau blühende Graue Skabiose (Scabiosa canescens). Dieses Kardengewächs ist eine in Deutschland und in Mitteleuropa sehr seltene Pflanzenart, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im Süden von Sachsen-Anhalt und im Nordosten von Thüringen hat. In einigen Bundesländern ist die Art ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Bedingt durch den Verbreitungsschwerpunkt trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art.

   

Abb: Die Graue Skabiose im Bestand                                        Verbreitungskarte

Anmerkung: Es  gibt eine weitere  bei uns häufige sommerblühende blaue Skabiosen-Art- die Tauben-Skabiose. Beide Arten können am gleichen Standort vorkommen. Die Unterscheidung beider Arten ist nicht leicht und basiert vor allem auf Blütenmerkmalen ( Bei der duftenden Grauen Skabiose sind die Kelchspelzen weißlich, bei der geruchlosen Tauben-Skabiose hingegen schwärzlich).

„Mit dem Begriff „Verantwortungsarten“ werden Arten bezeichnet, für die eine große Verantwortung besteht, weil sie nur in Deutschland hier vorkommen oder weil ein hoher Anteil der Weltpopulation hier vorkommt. Ihr Schutz hat einen hohen Stellenwert im Artenschutz. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wurde 2007 das Ziel formuliert, dass Arten, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt, bis 2020 überlebensfähige Populationen erreichen sollen. Dazu sollen Artenhilfsprogramme für nationale Verantwortungsarten bundesweit bzw. in dem Verbreitungsgebiet der Art entwickelt, umgesetzt und koordiniert werden. Zur Unterstützung dieses Ziels wurde 2011 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt der Förderschwerpunkt „Verantwortungsarten“ geschaffen.

Seit April 2021 gibt es in diesem Rahmen das Förderprogramm

Die Graue Skabiose und ihre Lebensräume im mitteldeutschen Verbreitungsgebiet – erhalten – schützen – fördern

Laufzeit: April 2021 – März 2026

Gesamt-Finanzvolumen: 1.71 Mio. € (Sachsen-Anhalt und Thüringen)

Projektträger: Hochschule Anhalt

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt (MULE).

Über dieses Programm wurde unlängst in der Presse berichtet.

„Bestands- und Gefährdungsanalyse

Das Projekt startet mit einer Erfassung und Bewertung der aktuellen Bestands- und Gefährdungssituation der Grauen Skabiose. Darauf aufbauend sollen Konzepte für die langfristige Sicherung der Art entwickelt und Handlungsräume für Maßnahmenumsetzungen erarbeitet werden. Die Geländeerfassungen betreffen nicht nur den Status und die Verortung der Vorkommen, sondern auch vegetations- und standortkundliche sowie populationsbiologische Aspekte. Ein weiterer Schwerpunkt wird die wissenschaftliche Begleitung der projektseitigen Maßnahmenumsetzungen sein.

Schutzkonzept und Maßnahmenumsetzungen

In enger Abstimmung mit dem behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz sollen ein Maßnahmenprogramm sowie flächenkonkrete Maßnahmenkonzeptionen erarbeitet und exemplarisch umgesetzt werden. Letzteres umfasst sowohl Artenschutzmaßnahmen (Populationsstützungen und Ansiedlungen) als auch Biotoppflegemaßnahmen zur Wiederherstellung geeigneter Standortbedingungen. Ein Schwerpunkt der Maßnahmenumsetzungen werden die Randbereiche des mitteldeutschen Verbreitungsgebietes sein, wo die Graue Skabiose allein durch die geringere Zahl an Vorkommen und die kleineren Populationsgrößen stärker und vielfach akut gefährdet ist. Neben den projektseitigen Aktivitäten sollen auch weitere Maßnahmenumsetzungen durch Dritte angeregt und/oder begleitet werden.

Aufbau eines Akteursnetzwerkes

Zur nachhaltigen Absicherung des Vorhabens soll ein über das Ende der Projektlaufzeit hinauswirkendes Akteursnetzwerk aufgebaut werden. Zentrale Akteure sind neben den Behörden und Verwaltungen insbesondere Personen, die die Flächen besitzen und bewirtschaften. Vorgesehen ist ein Austausch mit möglichst allen für die jeweilige Flächenentwicklung relevanten Zielgruppen. Die Gewinnung und Vernetzung von Akteuren wird auch ein Schwerpunkt der projektbegleitenden Öffentlichkeitsarbeit sein.

Mit den Projektinhalten und -zielen eng verknüpft sind Themen wie die Möglichkeiten und Grenzen eines nachhaltigen Artenschutzes sowie das Konzept der Verantwortungsarten. So sollen anhand der Grauen Skabiose die Herausforderungen eines zeitgemäßen Artenschutzes sowie der Aspekt der besonderen Verantwortlichkeit vermittelt und die Akzeptanz für damit einhergehende Förder- und Schutzmaßnahmen erhöht werden.“

Es  ist erfreulich, dass es jetzt dieses spezielle Programm zum Schutz der Grauen Skabiose gibt. Hier kann man freilich sagen : Der Worte sind genug gewechselt – nun lasst uns endlich Taten sehen. Die Standorte der Grauen Skabiose sind von ehrenamtlichen Naturschützern unseres Kreises längst kartiert. Nach unseren Erfahrungen kommt es vor allem darauf an, die jeweiligen  Standorte nachhaltig vor Verbuschung zu bewahren. Dazu ist die notwendige Beweidung nachhaltig zu sichern. Dazu bedarf es vor allem einer wirksamen unbürokratischen finanziellen Unterstützung der wenigen Schaf- und Ziegenhalter in unserer Region. Wenn dies gesichert ist, reproduzieren sich die vorhandenen Vorkommen der Grauen Skabiose selber.

Abb:. Norbert Rußwurmk

Der Russische Bär

Insekten der Heimat – der Russische Bär Euplagia quadripunctaria (P. 1761)

Beim Spaziergang entlang der Waldwege im Unterharz könne wir als Besonderheit gelegentlich den als Russischer Bär bezeichnete Falter an Blüten entdecken. Auffällig an diesem etwa 5cm großen Falter sind seine blauschwarzen Flügel mit dem weißen Streifenmuster.  Die meist verdeckten Hinterflügel sind dagegen leuchtend rote mit 3 bis 4 schwarzen Flecken. Es ist der Russische Bär bzw. auch Spanische Flagge genannte Bärenspinner Euplagia quadripunctaria (Poda 1761). Im Unterschied zur Mehrzahl seinen Verwandten ist dieser Falter tagaktiv und besucht bei Sonnenschein verschiedenste Blüten, häufig die der Kratzdisteln oder des Wasserdosts. Dort sitzt er und saugt mit seinem langen Rüssel Nektar. Der Kontrast der schwarz-weißen Musterung der Vorderflügel und die beim Auffliegen  aufleuchtenden roten Hinterflügel mit den schwarzen Punkten dienen als Warn- und Schrecktracht.

Dieser Bärenfalter ist eher ein Bewohner des südlichen Europa und hat gegenwärtig mit dem Harz seine nördliches Verbreitungsgebiet. Auf der Insel griechischen Insel Rhodos findet sich eine große Population im sogenannten „Schmetterlingstal“.

Die Raupen des Russischen Bär sind polyphag. Die Falterweibchen legen ihre Eier an die Blattunterseite. Die Raupen schlüpfen im September. Sie sind, wie fast alle Bärenspinnerraupen, stark behaart( daher der Name Bärenspinner). Sie fressen die Blätter verschiedener Kräuter, ehe sie überwintern. Im folgenden Jahr verpuppen sie sich im Juni im Boden in einem Gespinst, bevor nach ca. 4 Wochen die Falter schlüpfen.

Der Russische Bär ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie  europarechtlich streng geschützt.

Zwei Falter des Russischen Bären Euplagia quadripunctaria

Oberseite des Russischen Bären

Unterseite des Russischen Bären

Falter beim Nektarsaugen

Eine dem Russischen Bären sehr ähnliche Art ist der ebenfalls tagaktive Schönbär Callimorpha dominula (L. 1758), deren Flügel anstelle der Streifen helle Punkte tragen.

Ein naher Verwandter- der Schönbär Callimorpha dominula

Woher kommt der Kuckucksspeichel?

Die Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius (L. 1758)

Während des Sommers sind häufig weiße Schaumflocken an Pflanzen und Gräsern auffällig. Die volkstümliche Bezeichnung ist Kuckucksspeichel oder Kuckucksspucke. Erzeugt werden sie aber nicht vom Kuckuck, sondern es sind Schaumnester, erzeugt von Larven der  Schaumzikade. Meist sind es die Larven der Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius. Die Wiesenschaumzikade ist eine nur 5 bis 7 mm große, unauffällige Rundkopfzikade. Ihre Flügel bedecken dachförmig den Hinterleib und sind  graubraun gemustert. Färbung und Musterung der einzelnen Tiere können aber sehr stark variieren, von hell sandfarben bis schwärzlich braun. Die Zikaden verfügen über ein ausgezeichnetes Sprungvermögen, so dass sie sich bei Gefahr mit einem Sprung retten und dann fliegend das Weite suchen.

Zikaden sind Pflanzensaftsauger. Mit einem Stechrüssel bohren sie die Leitgefäße der Pflanzen an und ernähren sich vom Pflanzensaft.

Zur Paarfindung sind die Zikaden in der Lage, rhythmische Schwingungen zu erzeugen, die von den Partnern als Vibrationen wahrgenommen werden. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen, bei ihren Wirtspflanzen sind sie nicht wählerisch. Daher findet man die Schaumnester an den verschiedensten Pflanzen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven ähneln bereits den erwachsenen Insekten (Hemimetabolie) und ernähren sich ebenfalls saugend. Sie besitzen an ihrem Unterleib eine Atemhöhle, aus der sie Luft in die aus dem Darm abgegebene, eiweißhaltige Flüssigkeit pumpen und damit das Schaumnest aufbauen. Dieser Schaum dient als Versteck, schützt die Larven aber auch vor dem Austrocknen. Nach mehrmaliger Häutung, bei der sich die Larven von orange zu gelblich grün verfärben und die Flügelansätze immer deutlicher werden,  kriecht die erwachsene Zikade aus dem Schaumnest.

Kuckucksspeichel-Schaumnester der Schaumzikade am Weidenröschen

 

Schaumnest der Larve einer Wiesenschaumzikade.

 

Schaumzikadenlarve  

 

         

Schaumzikade Philaenus spumarius                                          Zikade beim Saugen am Pflanzenstängel

Bilder: Dr. Schliephake