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Quedlinburger Blumenzauber im Handel

Anlässlich der Festwochen zum 1.100jährigen Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung Quedlinburgs kreierte Matthias Stier, der Blumenspezialist der IG Saatguttradition, eine farbenfrohe Mischung einjähriger Sommerblumen unter dem Titel "Blumenzauber".

Blumenzauber Vorder   Blumenzauber Rueck

Mit dem Erwerb von "Blumenzauber" unterstützen Sie die Projektarbeit der IG Saatguttradition.

Das Samentütchen ist erhältlich bei folgenden Einrichtungen und Einzelhändlern:

Quedlinburg Tourismus Marketing GmbH, Markt 4, Quedlinburg

Becher, Spielzeugladen, Breite Str. 49, Quedlinburg

Ladengalerie Clara, Gildschaft 10, Quedlinburg

Cafe Sonnenschein, Goethestrasse 12, Quedlinburg OT Gernrode

Fa. Blütenstiel A. Trolldenier, Steinbrücke 1, Quedlinburg

Samocca Cafe und Kaffeerösterei, Lange Gasse 30, Quedlinburg

Thalenser Hexenmanufaktur, 06502 Thale, Bahnhofstr.1

Kosmetikinstitut Beauty, Bockstraße 2, Quedlinburg

Thomas Possin Onlineshop: https://gartensaaten.de/Blumenzauber

Mit dem "Blumenzauber" könnte es bei Ihnen bald so aussehen:

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 An alle QuedlinburgerInnen: Machen Sie mit beim Blumenschmuckwettbewerb!

https://festzeit.quedlinburg-info.de/de/index/blumenschmuckwettbewerb.html

Frühlingsfest im Ökogarten

Beim Fühlingsfest im Ökogarten waren unsere Mitglieder Dagmar Hampe und Mathias Stier mit dabei. Hier konnten Kinder eine Blühfläche anlegen. Gesät wurde die farbenfrohe, insektenfreundliche Mischung einjähriger Sommerblumen, die Matthias Stier, der Blumenspezialist der IG Saatguttradition, unter dem Titel "Blumenzauber" anlässlich der Quedlinburger Festwochen kreierte.

Kommt es nun zum Blüh-Wettbewerb zwischen Ökogarten und Schulhof? Wir sind gespannt, wie sich die unterschiedlichen Blühflächen entwickeln!

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Quedlinburger Blumenmarkt

Auf dem gut besuchten Blumenmarkt zu den Quedlinburger Hoftagen präsentierte sich die IG Saatguttradition mit einem eigenen Stand, unterstützt durch Thomas Possin, der Samentütchen verschiedener einheimischer Saatgutfirmen verkaufte. Viele wissbegierige Einheimische und Gäste nutzten die Gelegenheit, sich zur Geschichte der Saatzucht zu informieren. Prägnante Orte der Saatguttradition werden auf dem Quedlinburger Züchterpfad, zu dem es eine umfangreiche Broschüre der IG gibt, wieder lebendig. Der Bogen zur Gegenwart wurde auf dem Blumenmarkt durch die Präsenz des Julius Kühn-Instituts, Ökogartens und der in Quedlinburg ansässigen Saatgutunternehmen gespannt.

Matthias Stier, der Blumenspezialist der IG Saatguttradition, kreierte anlässlich der Festwochen eine farbenfrohe Mischung einjähriger Sommerblumen unter dem Titel "Blumenzauber". Dieses Samentütchen kann in der Stadtinformation  der Quedlinburg Tourismus Marketing GmbH und bei verschiedenen Einzelhändlern in der Welterbestadt erworben werden.

Mit dem Erwerb unterstützen Sie die Projektarbeit der IG Saatguttradition.

 

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JKI

Blumenzauber Vorder

Blumenzauber Rueck

Weiterführende Links

https://zuechterpfad.khv-quedlinburg.de/

https://www.julius-kuehn.de/

https://www.oekogarten-quedlinburg.de/

https://www.mz.de/lokal/quedlinburg/gute-stimmung-bei-den-hoftagen-in-quedlinburg-endlich-wieder-draussen-3369086?reduced=true

Quedlinburger SchülerInnen legen Blühwiese an

Unser Mitglied Matthias Stier half diese Woche den Kindern der Neustädter Grundschule sowie der Integrationsschule Am Kleers beim Anlegen einer insektenfreundlichen Blühwiese im Schulhof und Schulgarten. Zur Aussaat wurde eine von der IG Saatguttradition extra für das Stadtjubiläum 1.100 Jahre Quedlinburg zusammengestellte Blühmischung verwendet. Diese enthält u.a. Kornblumen, Klatschmohn, Schleierkraut und Cosmea.

Wir wünschen den Mädchen und Jungen, dass die Saat gut aufgeht und hoffen, dass sie die Quedlinburger Tradition fortführen.

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Immer mit der Saatzucht verbunden

Erinnerung an Dr. Rolf Bielau

Wir erhielten die traurige Nachricht, dass uns unser Freund und Mitstreiter Dr. Rolf Bielau für immer verlassen hat. Die Interessengemeinschaft Saatguttradition verliert mit ihm ein Mitglied, das entscheidende Impulse für die Arbeit unserer IG seit ihrer Gründung vor fünf Jahren gegeben hat.

Im Jahr 1948 in Köthen geboren, nahm Rolf Bielau nach dem Abitur 1967 ein Studium der Pflanzenproduktion an der Martin-Luther-Universität in Halle auf. Er schloss es mit der Promotion zu einem Thema der Tomatenhybridzüchtung ab. Sein Berufsleben führte ihn über verschiedene Stationen in Pflanzenbau und Züchtung schließlich in das Institut für Züchtungsforschung nach Quedlinburg, Dort arbeitete Dr. Bielau anfänglich sogar noch unter dem Nestor der Tomatenzüchtung der DDR, Dr. F. Fabig, und schließlich an verantwortlichen Stellen in der Gemüsezüchtung des Instituts.

Die Umbrüche in der hiesigen Wissenschaftslandschaft nach 1990 stellten neue berufliche Herausforderungen und führten ihn zu verschiedenen Auslandseinsätzen für Züchtungs- und Vermehrungsprojekte der Samen Mauser AG Schweiz. Sein Berufsleben schloss Dr. Bielau als Gartenleiter der International Seeds Processing GmbH in Quedlinburg im Jahr 2013 ab.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand ist Dr. Bielau noch einmal richtig durchgestartet und hat sich in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, so im Kleingärtnerverband und im Freundeskreis der Bibliothek, engagiert. Seine große Leidenschaft war aber immer die Saatzucht im Allgemeinen sowie Zuckerrübe und Tomate im Besonderen. Bei letzterer gab er wichtige Impulse für die Publizierung und Demonstration alter mitteldeutscher Tomatensorten durch Vereine u.a. in Aschersleben und Neugattersleben.

Für die erfolgreiche Arbeit der IG Saatguttradition hat Rolf Bielau mit der Erfassung historischen Schriftgutes und seinen Publikationen einen essentiellen Beitrag geleistet.

Im letzten Jahr hat sich Dr. Bielau einen Traum erfüllt: Das von Dr. Kummer initiierte und von ihm wieder aufgenommene Projekt des „Quedlinburger Züchterpfads“ wurde durch die IG realisiert und würdevoll an die Welterbestadt übergeben. Damit hat er sich Dr. Bielau bleibende Verdienste um die Bewahrung der Saatzuchttradition in unserer Heimatstadt erworben.

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Wir als seine Freunde, Mitstreiter und ehemalige Kollegen haben in den vielen Jahren der Zusammenarbeit seine Kollegialität und den unermüdlichen Einsatz für unsere gemeinsamen Ziele schätzen gelernt. Wir werden ihn immer in freundschaftlicher und ehrender Erinnerung behalten.

Nun hat der Tod ihn so plötzlich aus dem aktiven Leben gerissen; dabei hatte er noch so viele Pläne!

Hartmut Klein

Sprecher der IG

https://www.mz.de/lokal/quedlinburg/rolf-bielau-aus-quedlinburg-der-immer-mit-der-saatzucht-verbunden-war-ist-gestorben-3367233?reduced=true

Schon mal gehört von Franz Sobotta?

Franz Sobotta - ein landwirtschaftlicher Aufseher in einer Quedlinburger Saatzuchtfirma mit drei wechselnden Namen und Besitzern

Franz Sobotta wurde am 30.11.1907 in Klein Strehlitz in Schlesien als der älteste von drei Brüdern geboren. Als junger Mann gelangte er in der Zeit der Weimarer Republik und der Weltwirtschaftskrise als Wanderarbeiter nach Quedlinburg, wo er als landwirtschaftlicher Vorarbeiter und Aufseher bei der Samenzucht Firma David Sachs eine Anstellung fand. Hier gab es sogar einen Arbeitskräftemangel. Wanderarbeiter wurden für die Pflegearbeiten bei der Zuckerrübensamenproduktion, in Zuckerfabriken und in der Sommersaison bis zum Ende der Erntearbeiten saisonal in den Saatzuchtfirmen beschäftigt. Dabei kamen viele Menschen aus dem deutschen und polnischen Osten, dem Eichsfeld und dem Harz. Ein Teil dieser Saisonkräfte wurde als sogenannte Sachsengänger bezeichnet. "Sachsengänger sind deutsche Landarbeiter, welche im Deutschen Kaiserreich die landwirtschaftlich geprägten ostelbischen Regionen verließen, um im Westen besser entlohnte Arbeiten zu finden. Zuerst arbeiteten diese Landarbeiter im Zuckerrübenanbau der preußischen Provinz Sachsen, näherungsweise dem heutigen Sachsen-Anhalt. Die Bestellung, Pflege und Ernte der Zuckerrüben war arbeitsintensiv und kaum mechanisiert, weshalb saisonal sehr viele Arbeitskräfte benötigt wurden. Es handelt sich dabei um eine Form der saisonalen Arbeitsmigration." (wikipedia). Besonders junge Frauen hatten so die Chance, von Quedlinburger Männern geheiratet zu werden. Gleiches galt zur Jahrhundertwende um 1900 für tausende polnische Bergarbeiter, die im Ruhrgebiet heimisch und eingedeutscht wurden. Zahlreiche Namen zeigen noch heute die Herkunft der Arbeiter:innen. In fast allen deutschen Zuckerfabriken wurden zeitweilig Saisonkräfte aus dem Osten eingestellt.

Bis 1937 war Franz Sobotta in der Firma David Sachs, Badeborner Weg 4, beschäftigt. Von der dann Rudolf Schreiber & Söhne genannten Firma wurde er beauftragt, Arbeitskräfte anzuwerben. Die Anwerbung geschah während der Wintermonate, die regelmäßig in Schlesien verbracht wurden. Dazu gab sogar eine regelrechte Wunschliste. So kam es denn auch, dass aus dem Nachbardorf Schreibersdorf, dem heutigen Pisarzowice, eine junge Frau Luzie, angeworben wurde. Sie wurde letztlich Sobottas Ehefrau und brachte sechs Kinder auf die Welt. Der Schreiber'sche Schafshof, heute Ditfurter Weg 9, wurde zum Wohnsitz des jungen Paares. Im Juli 1931 kam dort die Mutter von Autor Eckhard Kartheuser auf die Welt. Später wurden dort in langen Winterabenden vor dem Kohlenherd lange Geschichten aus der alten Heimat und dem schweren Neubeginn in Quedlinburg erzählt. Im zweiten Weltkrieg erhielt Sobotta von Rudolf Schreiber u.a. die Anweisung zur Aushändigung von Bettzeug (Kissen, Decken) und Waschschüsseln für zwei ungarische Volontäre. Erhalten geblieben ist auch eine handschriftliche Notiz vom 07. Mai 1945 über die Rückgabe von 15 Hacken an Franz Sobotta. Die Arbeiten in der Firma verliefen also ohne Einschränkungen! Aber auch über einen jungen Mann namens Friedrich Fabig, der um 1942 in die Firma kam, wurde erzählt. Dieser erhielt Hilfe und Unterstützung von Franz Sobotta.

Nach der Enteignung der Firma Schreiber arbeitete Franz Sobotta weiter in seiner Funktion. In den erhalten gebliebenen Arbeitsnachweisen von Sachs und Schreiber ist u.a. unter „landwirtschaftliche Kenntnisse“ in seinem Arbeitsbuch vom 17. August 1949 vermerkt: „lw. Aufseher“. Die Eintragung bezeugt, dass er vom 31.3.1938 bis 28.02.1946 bei Schreiber tätig war. Vorher werden die Jahre 1935 bis 1937 bei David Sachs bezeugt, wobei er nachweislich schon 1932 für Sachs arbeitete. Bis zu seiner Verrentung hatte er dann am gleichen Ort den dritten Arbeitgeber, das VEG „August Bebel“. Als Brigadier der Abteilung Bebel-Hof wurde er als Aktivist am 13. Oktober 1955 und am 7.11.1957 als Aktivist des Fünfjahrplanes ausgezeichnet. Er arbeitete bis ca. 1973 in seinem Beruf und konnte dann noch zeitweise im Kreiskrankenhaus im Ditfurter Weg als Hausmeister tätig sein.

Bild Franz Sobotta auf einem Feld

Literaturquelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Sachseng%C3%A4nger

Erfolgreiches erstes Tomatenseminar 2022

Die neue Tomatensaison 2022 wurde mit einem Seminar der IG Tomatengarten im Verschönerungsverein Aschersleben zu Fragen der Aussaat und Jungpflanzenanzucht gestartet. Über 20 interessierte ZuhörerInnen kamen ins „Rosencafe“, um die Vorträge von Gisa Hoppe zum Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN, Tomatenerhalterring in Quedlinburg), und ihres Ehemanns Dr. Heinz-Dieter Hoppe über Tipps von der eigenen Aussaat und Aufzucht bis zur Pflanzung im Klein- und Hausgarten zu verfolgen. Ergänzt wurden die Ausführungen von Mathias Stier, Aschersleben und Dr. Rolf Bielau, (Moderator der Veranstaltung). Eine lebhafte Diskussion mit vielen Fragen und Anregungen zeigte, dass solch ein Seminar für regionales Interesse der hiesigen Tomatenfreunde sorgte.

Gern können sich Interessierte bei Gisela Ewe telefonisch melden (03473 4933), um mit ihr über Spenden von Jungpflanzen ihrer Lieblingssorten zu sprechen. Diese werden dann im diesjährigen Tomatengarten in der Kleingartenanlage „Froser Straße“, Am Hangelsberg gezeigt.

Das nächste Tomatenseminar ist für Anfang/Mitte Mai 2022 geplant. Thema werden Tomatenkrankheiten sein und wie die Pflanzen davor geschützt werden können. Dazu wird es wieder eine Ankündigung in der Lokalpresse geben.

Links:

https://verschoenerungsverein-aschersleben.de/

https://www.nutzpflanzenvielfalt.de/

 

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Schon mal gehört von der Welt der Sortennamen?

Die Welt im Sortennamen

Ein interessierter Blick in alte Preislisten und Samenkataloge, hier vier Kataloge der Deutschen Saatzucht Gesellschaft von 1950 bis 1968, kann zu einer Weltreise werden. Heute sind die meisten Sortennamen von Gemüse, Blumen und Heilkräutern Kunstschöpfungen. Zahlreiche Frauennamen gab und gibt es für Tomatensorten wie u.a. 'Nadja', 'Tamina', 'Uta', 'Almut' und 'Katrina'. Vor siebzig Jahren wurden die Herkunft der Sorten oft noch im Namen deutlich. In den Gemüse- und landwirtschaftlichen Sorten spiegelte sich der Stolz auf den jeweiligen Zuchtstandort wider.

Dabei ging es international zu: von ‘Amerikanischer Brauner‘, ‘Amsterdamer‘, ‘Böhmischer Strunk‘ (Kohlrabi), ‘Cantoner (Eissalat)‘, ‘Delfter Markt‘ (Blumenkohl), ‘Deutscher‘ (Feldsalat), ‘Pariser Markt‘ (Möhre) bis zu ‘Wiener Markt‘ (Knollen-Sellerie).

Aber auch gesamtdeutsche Namen waren gebräuchlich: ‘Amager‘ (Kopfkohl), ‘Braunschweiger‘ (Weißkohl, Zwiebel), ‘Dithmarscher früher‘ (Kopfkohl), ‘Glücksstädter Mittelfrüher‘ (Weißkohl), ‘Maleksberger‘, bei Segeberg, (Senf und Rübsen), ‘Rastatter Kleinkörnige‘ (Ackerbohne), ‘Rheinische‘ (gelbe Futterrübe),Stuttgarter Riesen‘ (Zwiebel).

Hauptsächlich waren es dann aber doch ostdeutsche Sorten mit den ortsbezogenen Bezeichnungen. Besonders auffällig ist dies bei den Städten Aschersleben, Hadmersleben, Erfurt und Quedlinburg, alles traditionelle Züchtungsstandorte für Gemüse und Zierpflanzen.

Sechs Busch- und Stangenbohnen trugen den Ortsnamen Ascherslebener, wie z.B. die Stangenbohne ‘Ascherslebener Auenstolz‘ und die Buschbohne ‘Ascherslebener Prinsa‘.

‘Hadmerslebener Brunsviga‘, ‘Hadmerslebener Diadem‘ und weiteren acht Sorten aus der Zuchtstation der ehemaligen Terra AG, Aschersleben und die spätere Abteilung Gemüsezüchtung des Instituts für Pflanzenzüchtung der Deutschen Akademie für Landwirtschaft sowie der Winterweizen-Getreidezüchtung, ehemals Heine.

Fünf Sorten präsentierten die stolze Blumenstadt Erfurt mit ihren vielen Saatzucht-Unternehmen: ‘Erfurter Zwerg‘-der deutschlandweit bekannteste Blumenkohl mit verschiedensten Nachbauten und ‘Heinemanns Erfurter Auslese‘, eine Rosenkohlsorte. Dazu kam noch der Kohlrabi ‘Erfordia‘.

Die Deutsche Saatzucht Gesellschaft in Quedlinburg ging aus vier großen Privatfirmen hervor. Um 1950 wurden noch viele alte Sortennamen verwendet, was auch als Stolz auf die Leistungen der damaligen Züchter gewertet werden kann.

Bis 1968 trugen allein 27 Sorten die Bezeichnung Quedlinburger im ersten Teil ihres Namens. Nach 1991 wurde sogar der Stadtname nachträglich hinzugefügt. Die ‘Frühe Liebe‘ (1951), eine sehr frühe Tomatensorte und spätere Mutterlinie der erfolgreichsten DDR-Tomate ‘Harzfeuer F‘, beide von Friedrich Fabig gezüchtet, wurde anonym auch als ‘Quedlinburger frühe Liebe‘ bezeichnet. Seit 2020 gibt es mit einer Fleischtomate auch ein ‘Quedlinburger Ochsenherz‘.

Besonders Erbsen-, Busch- und Stangenbohnen- sowie Radieschen- und Spinatsorten waren Quedlinburger, z.B. ‘Quedlinburger Fest und Früh‘ (Radieschen) und ‘Quedlinburger Lange Brech II‘ (Buschbohne), ‘Quedlinburger Delex‘ (Markerbse) und ‘Quedlinburger Fortschritt‘ (Spinat).

Die Stangenbohne ‘Quedlinburger Speck‘ ist sicher vielen Älteren bekannt und wird in Haus- und Kleingärten heute noch gern angebaut. Die Quedlinburger ‘Allgefüllte‘ Sommer-Levkojen präsentierten über Jahrzehnte die Leistungen von Kappert, Pauly und Schreiber. Schon der Blumenfachmann der Gebr. Dippe AG, Robert Beist, wusste, wie gefüllte Levkojen (Matthiola) gezüchtet werden.

Von A, wie ‘Altenburger Tonnen‘-eine Futterrübe, bis Z, wie ‘Zittauer Gelbe‘ (Speisezwiebel) ging die Reise durch die DDR-Sortennamen. Hier die einzelnen „Stationen“:

‘Bautzener‘, Futterpflanze.

‚Bendelebener‘, Luzerne.

‘Bernburger‘, wie z.B. „Bernburger Einhäusiger“, eine Hanfsorte. Es gab sieben Sorten, die wohl meist von der Firma Braune in Biendorf stammten, darunter eine Zuckerrübensorte.

‘Bördeperle‘, ‘Börderose‘ und die Erbse ‘Bördi‘, ‘Bördeweiß‘, Weißhafer.

‘Criewener Gelbe‘, eine Kohlrübe und der Winterweizen ‘Criewener 192‘ aus der Nähe von Schwedt.

‘Derenburger Silber‘, Winterweizen.

‘Dornburger Weißblühende‘ und fünf weitere landwirtschaftliche Sorten

Dresdener Plattrunde‘ war eine Speisezwiebel. Dazu kamen der Knollen-Sellerie ‘Dresdener Markt‘ und eine Tomatenauslese mit gleichem Namen.

‘Etterberger‘, Sommerwicken.

‘Flämimgsgold‘ und ‘Flämingstreue‘, Hafer.

‘Friedrichswerther Berg‘ hießen eine Ackerbohne und eine Wintergerste, eine ‘Friedrichswerther‘ war eine Futterrübe.

‘Gülzower Süße Blaue‘ war eine Süßlupine, dazu der Sommerraps ‘Gülzower‘.

Hohenthurmer Gleichzeitig Reifender‘, ein Hanf.

Hohenfinower Vierzeilige‘, Sommergerste.

Kleinwanzlebener‘ stand für Zuckerrüben aber auch andere landwirtschaftliche Kultursorten.

‘Langensteiner‘ standen für Zuckerrüben, Winterweizen und Luzerne.

‘Lobericher‘, Futterrüben, Futtermöhre.

‘Löbauer Blau‘, ein Faserlein.

‘Magdeburger Markt‘, Knollen-Sellerie.

‘Mahndorfer‘, nahe Halberstadt, waren Mais- und Wintergerstensorten.

‘Mansfelder Grüne‘ sind Erbsen

‘Mecklenburger Marien‘, ein Winterroggen.

‘Motterwitzer‘, Glatthafer, Wiesenfuchsschwanz, Rohrglanzgras, Welsches Weidelgras.

‘Müncheberger Weiko III‘ und Müncheberger Blaue Süß II waren Lupinensorten.

‘Neugatterslebener‘, Luzerne.

‘Oderdörfer‘, Knollen-Sellerie.

‘Petkuser‘ hießen je ein Sommer- und ein Winterrogen.

‘Paunsdorfer‘, Winterwicken.

‘Plaussiger‘, eine Luzerne.

‘Probsthaidaer‘, Weißklee.

‘Rügener‘, Sommerwicken.

‘Schlanstedter‘, Ackerbohne.

‘Teltower Kleine‘, Mairübe.

‘Thüringer‘, Luzerne.

‘Zernickower‘, Rotschwingel.

Prof. Heinz Leike - ein Züchtungsforscher für die praktische Pflanzenzüchtung

Am 30.12.2021 vollendete sich der Lebensweg von Prof. Heinz Leike, der am 26.04.1932 in Lauenburg/Pommern geboren wurde. Kriegsbedingt konnte er erst 1946 nach der Umsiedlungsaktion seine 1944 unterbrochene Schulausbildung fortsetzten. Nach seiner mit der Gesamtnote „Auszeichnung“ bestandenen Reifeprüfung folgte ein fünfjähriges Biologie-Studium an der Rostocker Universität. Bis 1969 blieb er, zuletzt Oberassistent, am Botanischen Institut, wo er auch promovierte. Im selben Jahr begann er seine Tätigkeit als Abteilungsleiter im Institut für Pflanzenzüchtung der Deutschen Akademie der Landwirtschaft in Quedlinburg. Zuerst nahm er noch parallel seine Lehrverpflichtungen an der Rostocker Universität wahr.

Bereits 1970 wurde H. Leike zum Leiter des neugegründeten Bereichs „Naturwissenschaftliche Grundlagen“ (in dem die Abteilungen Physiologie, Biochemie und Biophysik vereinigt waren) berufen. 1970 schloss er das in Rostock begonnene Habilitationsverfahren ab. Die Universität verlieh ihm dazu die Facultas Docendi, die Lehrbefähigung an Hochschulen, für das Fach Pflanzenphysiologie. Ebenfalls 1970 erfolgte seine Ernennung als Stellvertreter des Direktors des Quedlinburger Institutes. Die Struktur der Bereiche wechselte mehrmals und so übernahm Leike später den Wissenschaftsbereich „Entwicklungsphysiologie“, in dem vornehmlich Fragen der Zell-, Gewebe- und Organkultur bearbeitet wurden. Damit sollten die Forschungen auf diesen Gebieten für die praktische Pflanzenzüchtung nutzbar gemacht werden. Darauf aufbauende Ergebnisse waren Methoden zur Erhaltung und Vermehrung wertvoller Einzelpflanzen und Linien, wie z.B. Gewebekulturen für Spargel, Rosenkohl, Weizen, Roggen u.a. Kulturpflanzen sowie Embryokulturverfahren, mit deren Hilfe schwierige Art- und Gattungsbastardierungen realisiert wurden. Der frühere Speicher 21 auf dem ehemaligen Dippe-Hof, nun Institutsgelände des Institutes für Züchtungsforschung (IfZ) der AdL der DDR erhielt moderne Laboreinrichtungen und wurde wegen seines weißen Anstrichs oder der vielen weißen Kittel (?) auch das Weiße Haus genannt. Ab 1988 kamen als Ziele In-vitro-Techniken für o.g. Bastardierungen bei Gemüse- und Futterleguminosen, somatische Zellhybridisierungen, Embryokulturen, Zell- und Kalluskulturen sowie gentechnische Methoden für die Diagnose und den Transfer von Genen bei Weizen und Gerste hinzu.

Leike unterstanden sechs Abteilungen mit sehr spezialisierten Arbeitsgebieten. Bereits 1987 konnten u.a. die ersten fünf Gemüsesorten, bei denen In-vitro-Verfahren im Zuchtprozess eingesetzt wurden, zugelassen werden. Zuchtzeiteinsparungen von zwei Jahren werden dazu in der Literatur angegeben. Aber auch die Erdbeer- und Zuckerrübenzüchtung der AdL-Institute wurden unterstützt (Dehne, 2016).

In der Zeit der politischen Umbrüche bis 1991 führte Prof. Heinz Leike das IfZ bis zur sogenannten Abwicklung am 31.12.1991. Danach ging er in den Vor(un)ruhestand. Er war interessiert an der hiesigen Stadtgeschichte. Mehrere Jahre konnte er sogar englischsprachige Stadtführungen in Quedlinburg anbieten. Außerdem war er viele Jahre im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg aktiv.

Prof Leike

 

Literatur

Heinz Leike, Wissenschaftlicher Lebenslauf, ohne Jahresangabe

Joachim Dehne (Hrsg.), Zur Geschichte des Institutes für Züchtungsforschung (IfZ) Quedlinburg, dr ziethen verlag 2016, S.21 ff und 41 ff