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In allen Schulen von Sachsen-Anhalt gibt es seit 60 Jahren das Fach Astronomie - 30 Jahre vor und 30 Jahre nach der Wende.

Im Jahre 1959 wurde in der DDR in allen Schulen das Fach Astronomie eingeführt. Diese Erweiterung des naturwissenschaftlichen Unterrichts kam nicht von ungefähr, sondern wurde ausgelöst durch den kurz zuvor erfolgten Start des ersten künstlichen Satelliten „Sputnik“ durch die Sowjetunion. Als den USA die bemannte Mondlandung gelang, führte man in der alten Bundesrepublik ebenfalls das Fach Astronomie ein, aber nur in den Klassenstufen 12 und 13 als Wahlfach an einigen Gymnasien.

Abgesehen von einigen ideologischen Aspekten erwies sich die Einführung des regulären Astronomieunterrichs in der DDR als bildungspolitischer Glücksfall. Bereits im 19. Jahrhundert hatten Vertreter der bürgerlichen Pädagogik, wie Diesterweg, gefordert, die Astronomie als ordentliches Schulfach einzuführen. Wo es heutzutage in den Schulen nicht nur um Wissensvermittlung , sondern auch um Kompetenzerwerb, fächerübergreifendes Lernen und Verstehen von Zusammenhängen geht, erweist sich das Fach Astronomie als denkbar günstiges Hilfsmittel bei der Umsetzung dieser Ansprüche.

Gerade für die junge Generation ist der große Anteil an Begriffen wie „Urknall“, „Schwarzes Loch“, „Ufos“, „Antimaterie“ oder „außerirdisches Leben“ durch Science-Fiction-Themen zu einer Art Anreiz geworden. Diese Zusammenhänge können aber nur in einem eigenständigen Unterrichtsfach und von dafür ausgebildeten Lehrkräften vermittelt werden.

In unserem Bundesland, in Thürigen und in Mecklenburg-Vorpommern ist das Fach Astronomie, man möchte fast sagen: „dem Himmel sei Dank“, bis heute ein obligatorisches Schulfach geblieben und triff bei der Mehrzahl der SchülerInnen auf großes Interesse. Der ältesten Wissenschaft der Menschheit sollte man in ganz Deutschland das Recht einräumen, ein Schuljahr lang zum Fächerkanon aller Schulen zu gehören.

In der Astronomie ist ausschließlich die Beobachtung das Mittel zur Erkenntnisgewinnung. Das Licht ist dabei der wichtigste Informationsträger. Es war also eine ganz normale Sache, Fernrohre im Unterricht zu benutzen. Anfänglich behalf man sich mit dem Selbstbau von kleinen Fernrohren. Verschiedene Firmen boten aber auch Fernrohrbausätze an. Der Lehrplan forderte, „dass die Schüler zu befähigen sind, wichtige Erscheinungen am Himmel zu beobachten und sie mit Hilfe von Naturgesetzen erklären zu können“. Nach der Aufgabenstellung des Instituts für Lehrmittel sollte jede polytechnische Oberschule mindestens mit einem Schulfernrohr ausgestattet sein.

Bei der Konzeption des Fernrohrs wurde vor allem eine robuste Ausführung verlangt, die den Anforderungen der Dauernutzung durch die SchülerInnen gerecht wird. Diese Aufgabe wurde dem VEB Carl Zeiss Jena zugewiesen. Erfahrene Konstrukteure und Technologen schufen ein Schulfernrohr mit hohem Gebrauchswert, das so einfach wie möglich aufgebaut und bedient werden konnte: der Telementor 63/840 war „geboren“. Dieses Gerät und seine Weiterentwicklung, der Telemator, ist inzwischen zu einer Legende unter den Amateurastronomen geworden.

Es dauerte etwa zwei Jahre, bis alle Schulen mit dem Schulfernrohr ausgestattet waren. Größere Schulen erhielten sogar mehrere Teleskope. Nun konnten die notwendigen Beobachtungen mit geringem Aufwand und zur großen Freude der SchülerInnen durchgeführt werden.

 

Schulfernrohr Telementor mit Dreibeinstativ

Schulfernrohr Telementor mit Dreibeinstativ

 

Schulfernrohr Telemator mit Sucher

Schulfernrohr Telemator mit Sucher

 

Dipl. Astronom Hans G. Beck signiert einen Telementor

Dipl Astronom Hans G Beck signiert einen Telementor

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